Key & Recording - Interview mit Patrick Höfler           

(PB Keyboarder)

14. Januar 2016 um 15:46

Erzähle uns etwas über deinen musikalischen Werdegang:

Ich habe, so wie die meisten Kinder meiner Generation auf Befehl meiner Eltern mit 4 Jahren begonnen, Flöte zu lernen und durfte dann mit 6 Jahren Gitarre lernen. Das habe ich dann in einer Musikschule auf klassischer Basis bis zu meinem 13. Lebensjahr gemacht.


Mit 14 Jahren bin ich von Graz nach Linz übersiedelt und dort habe ich in der Schule zwei weitere Musiker/Schüler kennengelernt (Roland GRÜNER / Eddie KÖRNER - Peggy Zue) und mit einem weiteren Mitschüler die Band Cariot gegründet. Interessanter Weise hatten wir mit Eddie schon einen Gitarristen und da den anderen bekannt war, dass bei mir in der elterlichen Wohnung in Linz ein Klavier stand, wurde ich als Keyboarder engagiert. Weil, wer ein Klavier zu Hause hat, muss das auch bespielen können.

So hat meine Karriere als Keyboarder begonnen. Autodidakt, was das Instrument angeht, aber wenigstens mit Noten und Harmoniekenntnissen. Und wenn man weiß, welche Taste welchen Ton ergibt, dann ist das alles halb so schlimm J.

Mit Cariot habe ich dann gute 14 Jahre zusammengespielt und nach dem Ende in diversen anderen Bands, ua. SHAKA, bis ich schließlich bei der Gründung von PB dabei sein durfte und noch immer dabei sein darf.

                                                                Cariot - so um 1989


Wie würdest du deine musikalischen Einflüsse beschreiben?

Was Einflüsse betrifft, bezeichne ich mich selbst als offen gegenüber allem, was mir gefällt (lacht).

Aufgewachsen bin ich aber mit Queen, Manfred Mann, Pink Floyd, Deep Purple und viel Klassik, vor allem Opern.

Meine erste LP (für die Jüngeren: Vorgänger der CD) war jedenfalls Queen II.

Mit welchen Keyboards hast Du in Deiner ersten Band (Cariot) gespielt:

Als erstes habe ich an meinem 15. Geburtstag und Weihnachten und Ostern und Weltuntergang zusammen ein YAMAHA DX7 bekommen. In weiterer Folge habe ich dann noch ein Korg Stage Piano dazu genommen und etwas später eine Korg M1 Workstation.

Da hat dann auch meine Liebe zu Korg begonnen.

Verwendest du deine ersten Keyboards noch immer?

Nein. Aber ab der Korg M1 bin ich auf Synthesizer umgestiegen, da hier die Soundgestaltungsmöglichkeiten einfach viel größer sind, als bei einem Keyboard mit fix vorgegebenen Sounds.

Die M1 habe ich allerdings tatsächlich noch bis zum Beginn von Purple Bonsai in Verwendung gehabt, da sie einfach viele unverwechselbare legendäre Sounds hatte.

Was verwendest du heut bei PB?

Der momentane Key Bestand stellt sich wie folgt zusammen:

Korg M3 pro 76

Korg Triton pro 76

Korg MicroX

Korg CX3 (Orgel)

Tascam StageMix (8 Kanal)

Diverse Keystands und Pedale

                                              Purple Bonsai - Schl8hof Wels 2014


Du verwendest keine Sampler:

Nein. Das ist in der heutigen Zeit nicht mehr notwendig, da die ganzen Synthesizer von Haus aus gesampelte Natursounds (Piano, Strings etc) verwenden und es bei der M3 zB möglich ist, Audio zu sampeln, falls erwünscht.

Allerdings hat sich das Soundbild bei PB auch eher in eine Richtung entwickelt, die Keys betreffend, die eine Verwendung von Samples nicht zwingend erforderlich macht.

Das ist ein gutes Stichwort. In welche Richtung geht dein Sound:

Bei PB gibt es für einen Keyboarder zwei Schwerpunkte:

Der erste ist die Unterstützung der Gitarre. Die basiert vorwiegend auf Flächensounds aller Art. Hier mal eine Orgel, dort Streicher oder Chor und viele modifizierte Effektflächen, die viele Sounds in sich vereinen und zB Schwelleffekte erzeugen. Hier ist die Herausforderung, möglichst nicht die Bass-Frequenzen und die Hauptgitarrenfrequenzen zu sehr ab zu decken.

Der zweite Schwerpunkt liegt in der Lead-Sektion. PB verwenden in den Songs immer wieder Keyboard-orientierte Teile, die eher prägnante Sounds verlangen, die dann im Gesamten auch gut hörbar und zu verifizieren sein sollen. Das können dann ganze Melodiebögen als Begleitung sein, kurze Passagen und letztendlich auch Key-Soli.

Die Solosounds gehen bei mir dann eher in die ältere Richtung alá Moog und Konsorten bzw. im Zusammenspiel mit der Gitarre sind das dann angepasste Solosounds.


Verwendest du bei Aufnahmen noch andere Keyboards:

Nur das Keyboard vom PC ;-)

Nein. Ich bin bemüht, das, was ich aufnehme auch 1:1 Live um zu setzen. Daher verwende ich beim Recording das Live Equipment. Der Zuhörer soll ja auch Live das geboten bekommen, was er von der CD kennt, soundtechnisch, und keine bösen Überraschungen erleben.

Ist das überhaupt der Grundgedanke bei den Aufnahmen:

Ja, die Bemühungen sind auf jeden Fall da, möglichst die Aufnahme so zu gestalten, dass eine Liveumsetzung ohne zu viele Abstriche möglich ist. Natürlich ist man beim Recording bemüht, wirklich "Sound" zu machen, was bedeutet, dass zB. die Guit gedoppelt werden, um mehr Druck zu erhalten. Aber das sind eher Dinge, die beim Livesound nicht abgehen.

Blöder wäre es, wenn ich Dinge in Art und Menge einspielen würde, die ich live mit 2 Händen alleine nicht mehr spielen könnte ;-)

Da fällt aber auf, dass im Vergleich zur "Welcome" die neuen Songs bedeutend mehr Choranteil haben:

Ja, das stimmt (grinst). Die ganze Chorangelegenheit ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt und auch von mir arrangiert und eingesungen wird. Da kann es schon vorkommen, dass einmal 24 Stimmen im Chor sind. Das ist natürlich Live ein Problem, wenn nur drei Musiker singen. Hier kommt es dann einfach darauf an, die wichtigsten Stimmen des Chorarrangements Live ein zu bauen bzw. arbeiten wir bereits an einer technischen Lösung. Schließlich leben wir ja im 21. Jhdt. Da ist ein mehrstimmiger Chor durch eine Person Live gesungen, nicht mehr wirklich ein unlösbares Problem J

Apropros Recording: PB sind ja bekannt dafür, im eigenen Studio auf zu nehmen. Du machst dabei die Aufnahmeleitung. Wie kann man sich das vorstellen:

Ja, das stimmt. Da wir bei PB gerne und viel an den Songs basteln und sehr oft erst beim Recording auf neue Ideen und Änderungen kommen, nehmen wir in Eigenregie auf, weil da Zeit und Geld keine Rolle spielen.

Die Aufnahmeleitung bzw. techn. Abwicklung wird von mir übernommen.

Vorstellen kann man sich das so, dass ich zuerst die Grundkeyboards der Songs als Pilot-Track für die Bandaufnahmen recorde. Zu den Grundtracks werden dann Drums / Bass / Guit /die restlichen Keys / Vox und Chor aufgenommen. In dieser Reihenfolge.

Bei den Aufnahmen der einzelnen Instrumente selbst sind wir bemüht, immer alle anwesend zu sein, weil 8 Ohren einfach mehr hören als 4 und dann die möglichen Änderungen bei den Songs sofort erledigt werden können.

Letztendlich besteht so auch nicht die Gefahr der "Betriebsblindheit", wenn ich immer alleine mit dem jeweiligen Musiker aufnehme. Hier läuft man schnell Gefahr, die Objektivität zu verlieren.

                                                 Purple Bonsai - Schl8hof 2014


Nach Fertigstellung der Aufnahmen ist es dann an mir, alles in ein schönes Bild zu setzen. Das heißt, die Aufnahmen werden von mir weiterbearbeitet und letztendlich noch gemixt. Bis inklusive Premastering wird bei uns also alles in Eigenregie erledigt.

Das Mastering selbst geben wir dann aber außer Haus.

Womit nehmt ihr auf:

Bei uns passieren die Aufnahmen rein digital. Die Zeit der Tonbandmaschinen kommt zwar wieder, ist aber momentan bei PB kein Thema. Derzeit arbeiten wir über Windows mit CUBASE und STUDIO ONE. Passend dazu über ein Presonus Digitalpult, welches die ideale Leistung bei den A/D Wandlern hat und auch wirklich sehr gute, bereits integrierte Pre-Amps. Das System ist so in sich stimmig und stabil. Die Effektsektion bei der Spurbearbeitung und beim Mix läuft dann komplett über PlugIns.

                                                                     Cariot 1991


Gibt es für dich spezielle Vorbilder auf dem Keyboardsektor:

Wirklich geprägt bin ich durch Jon Lord (r.i.p) und Rick Wakeman geworden. Vor allem, weil ich, als ich dann Keyboard spielen musste, sehr viel Deep Purple bzw. YES gehört habe und einfach sofort vom B3 Hammond Sound über Röhrenverstärker und Leslie und auch von den Soundhexereien bei YES begeistert war. Allgemein muss man aber sagen, dass vor allem im Hardrock - Metalbereich überwiegend exzellente Keyboarder unterwegs sind, die alle einzig artige Spielweisen haben und jeder für sich eine Vorbildberechtigung hat.

                                               Purple Bonsai - Berlin, Blackland 2014


Wo siehst du PB in der Zukunft:

Der Blick in die Zukunft ist auf jeden Fall spannend, da 4 verschiedene Charaktere und auch 4 verschiedene Musikstile bei den Musikern aufeinanderprallen und man nie weiß, was beim Songwriting am Ende für ein Produkt rauskommt. Die Spannung, die dadurch entsteht, macht die Band aus. Aber genau diese Unterschiedlichkeit macht einen Blick in die Zukunft fast unmöglich. PB werden auf jeden Fall noch lange spielen. Aber wie das klingen wird.... Wer weiß ......

Die Band selbst sehe ich in Zukunft aber auf jedem Fall auf einem sehr hohen musikalischen und technischen Standard, der den Fans noch sehr viel Freude und Überraschungen bereiten wird..